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Beim Einkaufen sind nicht alle gleich - Was bedeutet eigentlich “Preisdiskriminierung”?

Im Internet ist nicht jeder Kunde gleich: Preise können je nach Surfverhalten angeglichen werden. Die variablen Preise halten aber auch Einzug in den analogen Alltag.

CC-BY-SA: Smarte Bürger, Foto: Dennis Romberg

Wenn wir im Supermarkt vor dem Gemüseregal stehen, haben wir oft die Wahl: Die normalen Gurken für 99 Cent oder die Bio-Gurken für ein paar Cent mehr. Dabei ist klar, die Gurken kosten morgens so viel wie abends, am nächsten Tag und meist auch in der nächsten Woche so viel wie gestern.

Aber das ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Im Internet sind die Preise schon seit Langem viel variabler. Online-Shops haben durch Cookies und andere Trackingmethoden die Möglichkeit, zu verfolgen, wofür wir uns im Internet interessieren – welche Seiten haben wir besucht, welche Produkte haben wir uns angesehen, welche Werbung haben wir angeklickt? All das weiß ein Online-Shop häufig bereits, wenn wir vorbeikommen.

Diese Information ist viel wert. Denn durch Big Data und Profilbildung kann der Shop seine Preise anpassen und uns einen Preis zeigen, den wir gerade noch bereit sind, zu zahlen. Für das Computerspiel zahlt derjenige, der sich durch seine Internetspuren als Hardcore-Gamer zu erkennen gegeben hat, mehr als ein Gelegenheitskäufer. Umgekehrt zahlt die Weinliebhaberin mehr als jemand, der nur hin und wieder mal einen Wein kauft.

Im Alltag begegnen wir häufiger verschiedenen Preisen, etwa in Form von Studentenrabatten oder Mengenrabatten. Aber individuelle Preise, bei denen jeder genau so viel zahlt, wie er gerade noch bereit ist (und natürlich wie es für den Verkäufer noch profitabel ist), wird erst durch Big Data und Profilbildung im Internet möglich. Wirtschaftswissenschaftler sprechen dabei von „Preisdiskriminierung erster Ordnung“.

Verbraucherinnen und Verbraucher zahlen dabei mehr für bestimmte Produkte und die Profite der Verkäufer steigen. Eine Verbilligung für ärmere Verbraucherinnen und Verbraucher ist dagegen kaum oder nur in geringer Ausprägung zu erwarten, da dies in der Regel unwirtschaftlich wäre.

Und die Gurken im Supermarkt? Viele Märkte führen gerade elektronische Preisschilder ein, so etwa REWE, Mediamarkt und Saturn. Damit kann sich der Preis viel schneller ändern, Verbraucherschützer befürchten ein Preischaos, abhängig von der Tageszeit. Zwar spricht der Handel bisher davon, dass Verhältnisse wie an der Tankstelle nicht gewollt sind. Möglich wäre es aber, kurz vor der Rush-Hour zu Büroschluss die Preise zu erhöhen oder zwei Stunden vor dem Fußballspiel Chips und Bier teurer zu machen. Auch das wäre sehr zum Nachteil der Verbraucherinnen und Verbraucher, denn stabile Preise sind eine Solidargemeinschaft. Viele Menschen können nicht flexibel sein und nur nach Büroschluss oder als Familie am Samstagmorgen einkaufen.

Wie können wir uns schützen?

  • Verhindern Sie Tracking im Internet und löschen Sie regelmäßig Ihre Cookies – mit den Plugins, die wir in unseren Tipps vorstellen.
  • Vergleichen Sie Preise im Netz auch mit verschiedenen Vergleichsportalen
  • Ändern Sie ihren Useragent. Bei manchen Portalen zahlen Sie mehr, wenn Sie die Seite mit dem iPhone oder einem Mac aufrufen
  • Auf den Webseiten von Digitalcourage und dem Projekt Surfer-haben-Rechte des Verbraucherzentrale Bundesverbandes gibt es weitere Hinweise zum sicheren Surfen: https://www.surfer-haben-rechte.de/content/digitale-selbstverteidigung und https://digitalcourage.de/selbstverteidigung
  • Vermeiden Sie Kundenkarten – Sie verraten über Ihre Einkaufsverhalten sehr viel über sich und bekommen doch nur einen sehr kleinen Rabatt.
  • Wenn Sie eine Kundenkarte haben, fragen Sie nach, was die Unternehmen über Sie gespeichert haben. Mit diesem Formular des Verbraucherzentrale Bundesverbandes geht das ganz einfach – übrigens bei allen Unternehmen, die Daten über Sie gespeichert haben.
  • Bei elektronischen Preisschildern bleibt abzuwarten, ob der Handel sein Versprechen wahr macht, und die Preise nicht mehrmals am Tag anpasst. Verbraucherschützer haben schon angekündigt, ein wachsames Auge darauf zu haben – notfalls müsste dann eine gesetzliche Regelung her.